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IKF Europahaus AG – Fehlerhafte Anlageberatung zu Teilschuldverschreibungen und Genussrechten führt zu Schadensersatz für Anleger vor LG Gera 4 O 1029/17

Bautzen, 26.07.2018

Ende gut alles gut! Mit einem Hausneubau und der Vermittlung der nötigen Hausfinanzierung mittels ING-DiBa über die sich heute als IKF Europahaus AG bezeichnende Firma im Jahre 2007 fing alles an:

Im Vertrauen auf den gelungenen Hausneubau kauften die Eheleute Ende 2008 Teilschuldverschreibungen und Genussrechte an der der IKF – Private Wertpapier GmbH  sowie der IKF-Treuhand- und Verwaltungsgesellschaft mbH – beides Rechtsvorgänger der IKF Europahaus AG – zum Preis von € 116.400.

Finanziert wurde diese Summe in Höhe von € 95.400  über den Verkaufserlös für ihr altes Wohnhaus. Die IKF hatte sich schon im notariellen Kaufvertrag ausbedungen, dass der Kaufpreis vom Erwerber direkt an sie überwiesen wird, damit die zuvor von ihr gekauften Wertpapiere davon sicher bezahlt werden können. Anstatt dafür zu sorgen, dass die betagten Eheleute zeitnah ihre zuvor aufgenommen Hausfinanzierung werden tilgen können, riet man ihnen zum Kauf benannter Wertpapiere mit Totalverlustrisiko. Schlussendlich wurden sie mit fälligen Zahlungen auf die Wertpapiere hingehalten, woraufhin sie rechtzeitig die Kanzlei Reime aufsuchten und beauftragten.

Die Entscheidung Das Gericht beschied nach Beweisaufnahme durch Vernehmung der Ehefrau des Klägers und eines ehemaligen Vertriebsmitarbeiters der Beklagten als Zeugen.  Unstreitig ist, dass die Eheleute keinerlei Vorerfahrungen mit Kapitalanlagen hatten. Für das Gericht steht nach der Beweisaufnahme fest, dass die Eheleute infolge falscher Empfehlung des Beraters der IKF versuchten, ihre zukünftigen Darlehensrestschulden über die dann kündigungsfähigen und auszahlbaren Wertpapiere  zu tilgen. Infolge ihres hohen Alters und ihrer geringe Einnahmen waren sie aber zwingend auf das Geld aus dem Verkauf ihres alten Hauses angewiesen. Durch den Zwischenerwerb der Wertpapiere verloren sie das Kapital ohne Rückzahlungsgarantie mit Totalverlustrisiko.  Gleichwohl im Beratungsprotokoll auf das Totalverlustrisiko hingewiesen wird, wurde dieses Risiko im Rahmen der Beratung unzulässig abgeschwächt. Mit Worten wie „ist noch nie passiert“ oder „garantierte Auszahlung“ wurde eine nicht vorhandene Sicherheit vorgegaukelt.   Die Entscheidung Das Gericht schenkte der Zeugin und Ehefrau des Klägers Glauben und berücksichtigte die objektiven unstreitigen Gegebenheiten wie Angaben im Beratungsprotokoll, Laufzeiten der Darlehen, Alter der Eheleute und Einkommen sowie Laufzeit der Wertpapiere und Hausneubau und –verkauf sowie den zeitlichen Ablauf dieser Vorgänge. Folglich stellte es fehlende  anleger- und anlagegerechte Beratung und einen Schaden von € 116.400 fest. Die IKF kann zwar noch Berufung einlegen, jedoch lässt das gut begündete Urteile keine Fragen offen.  

Empfehlung Wer rechtzeitig einen Fachanwalt beauftragt bekommt auch bei fehlender Rechtsschutzversicherung eine zutreffende Einschätzung der Erfolgsaussichten.  Wer das bekannte Totalverlustrisiko bagatellisiert, handelt sogar arglistig und muss sich über seine Haftung nicht wundern. Die Anelger können das Geld beanspruchen, was sie für die Wertpapiere ausgaben und können diese der IKF zurückgeben.     

Rechtsanwalt Jens Reime

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