form contact-form-sub not found!

SHB Altersvorsorgefondsanleger bekommt Recht: LG Chemnitz verurteilt Anlageberater auf Schadensersatz wegen Falschberatung

Bautzen, 11.01.2017

Der Fall                     Die Klägerin und deren Ehemann waren eigentlich mit ihren Versicherungen und ihrer Altersvorsorge zufrieden bis zu ersten unaufgeforderten Kontakt durch den Beklagten an ihrer Haustür vor dem 19.09.2006. Der Beklagte stellt sich als Anlageberater vor und stellte Berechnungen an, wie sich das Geld vermehren solle und wie viel Ausschüttungen gezahlt werden sollen. Der fragliche Fonds sollte 6% jährlichen Gewinn erbringen nach Ansparung der Zeichnungssumme von € 20.000,00. Die Eheleute hatten nur geringe Kapitalanlagenkenntnisse und kannten das, was sie am 19.06.2006 kauften, bislang noch gar nicht. Die Anzahlung von € 2.000 kam von ihrem Sparbuch und die Raten von ihren lfd. Einkünften. In allen Gesprächen machten die Eheleute klar, dass sie lediglich eine Altersvorsorge wünschten. Die Eheleute kannten bislang diese Rechtsform einer Beteiligung nicht und hatte lediglich Lebens – und sonstige Versicherungen zur Absicherung des privaten Lebensrisikos. Der Beklagte erläuterte ihnen, dass sie mit der fraglichen Beteiligung eine höhere Rendite erzielen könne als mit Lebensversicherungen und Bausparverträge. Dabei erläuterte er ihnen aber nicht, dass sie von einem einlagegeschützten in ein einlagenungeschütztes Investment wechseln würde. Der Beklagte hob dabei den Immobilienbesitz hervor und versprach stetige Wertsteigerungen und regelmäßige Ausschüttungen. Risikohinweise erfolgten nicht. Folglich entschloss sich die Eheleute ihre Unterschrift unter den fertigen ausgefüllten Zeichnungsschein zu setzen und zahlte ihre Beiträge an die Fondsgesellschaft ein. Der Emissionsprospekt wurde vor der Zeichnung nicht übergeben, er kam später mit der Post von der Fondsgesellschaft.  

Die Entscheidung      Wegen nicht anlage- und anlegergerechter Beratung haftet der Anlageberater. Weder besitzt der Fonds Immobilien noch sind stetige Wertsteigerungen oder ist es eine sichere Alters- vorsorge wie der Name vorgaukelt (Bundesgerichtshof, 16.03.2017 (Az.: III ZR 489/16). Die Investitionen sind zum Teil bei Prospektauflage unbekannt gewesen und der Fonds besitzt nur Anteile an Immobiliengesellschaften.  

Empfehlung               Wer einem anderem zum Kauf eines Anteils an einem bankfinanzierten teilweisen Blindpools zur Altersvorsorge rät, sollte vorher den Prospekt selbst gelesen und verstanden haben, was er da empfiehlt. Anteile an solchen Fonds sind äußerst riskant und der einzelne Anleger ist für eine Mindestzeit gebunden, ohne dass er in der Lage wäre, entscheidend Einfluss auf die Geschäftsführung zu nehmen oder sich im Krisenfalle vom Investment zu trennen. Werden diese Anteile auch noch auf Raten abgezahlt – und nicht wie irreführend versprochen angespart – haftet der Anleger solange bis der Betrag vollständig erbracht ist. Werden solch komplexe Anlagemodelle nicht richtig erläutert, haben Anleger gute Erfolgsaussichten für eine Schadensersatzklage.

Artikel als PDF downloaden